Buch der Woche 9-13: Frustmix

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Buch der Woche 9-13: Frustmix

Irgendwie ist im Moment der (Bücher-)Wurm drin. Ich habe keine Zeit und Lust zu bloggen und die Bücher, die ich lese, hauen mich auch nicht vom Hocker. Ich fange an und lege weg oder quäle mich durch.

Carlos Ruiz Zafron: „Der Gefangene des Himmels“. Der dritte Teil der Barcelona-Triologie, die ich Spätzünder erst jetzt entdeckt habe. Haben mich die ersten Bände gefesselt, scheint dieser mit dem schnellen Stift und wegen des zu erwartenden Anschlußerfolges geschrieben worden zu sein. Eine vergleichsweise geringe Seitenanzahl, die große Schriftgröße und ein nicht so komplexer Inhalt untermauern meine Vermutung. Erzählt wird die Geschichte einer – mir eigentlich sehr symphatischen- Nebenfigur und ihrem Vorleben, welches hauptsächlich zwischen Band 1 und 2 spielt. Unnötig brutale Schilderungen und etwas zu wenig von dem zafrontypischen Schaudern enttäuschten mich. Trotzdem bin ich mit Zafron nicht fertig. Irgendwann habe ich die Zeit, detektivmäßig die komplexen Verknüpfungen und Handlungsstränge der Romane zu entwirren und mich mit seinen anderen Werken zu beschäftigen.

Ursula Ott: „Schöner scheitern“. Kleine Geschichten über die Ärgernisse und Glücksmomente des Alltags – Wiedrigkeiten in Familie, Job und dem Leben allgemein. Gut geschrieben, aber schon oft so gelesen. Die Autorin ist Journalistin und hat – glaube ich – auch nicht den Anspruch schriftstellisch tiefe, nachhaltige Werke zu schaffen. Habe öfter gegrinst und dann schnell wieder vergessen. Für die Gammelstunde zwischendurch.

Sibylle Weischenberg: „Meine dreißig Lippenstifte und ich“. Mist! Großer Mist. Aus dem Verschenkregal der Bibliothek, weil zu wenig ausgeliehen. Zu Recht.

Alexander zu Schönburg: „Smalltalk“. Der Herr kann schreiben und hat ein überdurchschnitliches  Allgemeinwisssen. Wie auch schon in „Die Kunst des stilvollen Verarmens“ gefällt mir seine gelassene Haltung und seine fast philosophische Deutung bestimmter Lebensereignisse. Seine Bücher sind weniger Ratgeber als gut beobachtete Gesellschaftsanalysen und (s)eine Haltung dazu. Allerdings ist Schönburgs Bekanntenkreis nicht mein Bekanntenkreis und meine Sozialkontakte können mit  abgefahrenen Theorien zur Kunstgeschichte und Geldanlageanekdoten vom Börsenguru Kostolany wenig anfangen. Wenn man das Namedropping erträgt, taugt es gut zur Auffrischung oder dem Neuerwerb eines breiten konsensfähigen Allgemeinwissens. Habe das Buch trotzdem erst zur Hälfte durch.

Manfred Lütz: „Bluff“. Von Lütz habe ich „Irre!“ gelesen und fand es informativ und gleichzeitig unterhaltsam. Darum nahm ich mir gleich zwei weitere Einwortwerke („Bluff“ und „Gott“) mit. Leider verstehe ich das Konzept dahinter hin. Ich scheue keine Gedankenarbeit, aber muss man hunderte Seiten naturwissenschaftliche und philosophische Gedanken wiedergeben, wenn man doch sagen könnte: „Stellt euch vor, es wäre wie in der Truman-Show.“ (Hat er ja auch im ersten Drittel des Buches.) Aber was soll das drumherum? Für den Kerngedanken, dass die Welt doch ein großer Bluff sei, fehlen wiederum Herleitungen und Belegen. Oder denkt er es gar nicht und will nur das Denken des Leser aktivieren? Wäre dem psychatrischen Arzt und Theologen durchaus zuzutrauen. Mit diesem Buch komme ich nicht weiter. Ich gebe es zurück und werde hoffentlich irgendwann seine anderen provozierend-wiedersprüchliche Bücher verstehen.

Außerdem Zeitungen, Zeitschriften, Magazine – ich konsumiere, lese aber nicht so, wie ich es mir wünsche.

Das Unheil, welches die schlechten Bücher anrichten, kann nur durch die guten wieder ausgeglichen werden.

Germaine de Stael

In diesem Sinne

Neja

 

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