Buch der Woche 2-Leonid Jusefowitsch: Das Medaillon

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Buch der Woche 2-Leonid Jusefowitsch: Das Medaillon

Zäh, ganz zäh. Fast hätte ich das zweite Buch meines Projekts nicht zu Ende gelesen, diesmal aus Gründen der Langweiligkeit und der Fadheit.

Ich habe es ja eigentlich mit den Russen. Während in der 9. Klasse im schuleigenen Bestellclub alle anderen das legendäre Aufklärungsbuch „Denkst du schon an Liebe?“ bestellten , orderte ich Puschkins Jugendbiografie „Alexander in Zarskoje“. Dann später die Gedichte und meine Liebe zu wehmütiger Dramatik und unglaublich langen Namen war erwacht.

Heute stehen noch Dostojewski (auch irgendwie zäh), Gorki und Tschechow im Regal, von den neueren Vertretern Jewtuschenko und Ulitzkaja. Ein ungelesenes Schmankerl, auf das ich mich freue, ist Viktor Pelewin mit „Die Dialektik der Übergangsperiode von Nirgendwoher nach Nirgendwohin„. Ein Buch mit diesem Titel muss einfach gut sein. Ich habe alle Bände von Boris Akunins „Fandorin-Reihe“ verschlungen und schätze die Geschichts-und Literaturanspielungen. Ein bisschen Spannung, ein bisschen Mystik, Wortwitz und natürlich der Charme und die Exentrik des Protagonisten Erast Fandorin.  Ihr merkt, ich stehe auf so Cumberbatch-Holmes-Typen. Natürlich ist das keine Hochliteratur, aber für die 10 Bettminuten genau das richtige Niveau. Ich dachte, die Putilin-Reihe wäre eine moderne Fortsetzung. Aber ich quälte mich, ich quälte mich. Auch dieses Buch strotzt vor Geschichts-und Literaturverweisen, die sind mir aber zu hoch. Oder wusstest ihr, dass es in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts einen militärischen Konflikt zwischen dem türkischen Sultan Mahmud II. (1784-1839) und seinem Vasallen Mehmed Ali(1769-1849) gab, der Ägypten aus dem Osmanischen Reich lösen sollte? Fünfzeiligezeilige Fußnoten, da kam der Geschichtsprofessor in Jusefowitsch durch. Rahmenhandlung: Der Polizeipräsident Iwan Putilin erzählt einem Schreiber seine Biografie und damit auch den Fall des mysterösen Medaillons, welches den Empfänger vor seinem baldigen Tod warnt. Eine verschwundene Großmutter, zwei Giftmorde, einen erdrosselten Hund, der dann doch noch lebt, stellt sich heraus, dass es sich um eine banale Fremdgeh-und Erbengeschichte handelt. Irgendwas mit Freimaurern war auch noch. Ganz nett, aber auch etwas verwirrend ist, dass sich Biograf und Putilin ständig auf der Metaebene über leserfreundlichere Änderungen in der Geschichte unterhalten.

Es soll noch zwei Bände geben. Mir egal.

 

… war die gut dreißig Jahre alte Baronin eine jener hauptstädtischen Halbweltdamen, auf deren Gesicht mit Geheimtinte, die im Gespräch mit einfachen Sterblichen sichtbar wurde, das Jahreseinkommen ihres Gatten geschrieben stand.

aus „Das Medaillon“

Do swidanja

Neja

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